Fritz Schwerdt Tabernakel Haus Eich

Foto: Ann Münchow

Tabernakel Haus Eich, Aachen

Entstanden 1952;
Bergkristalle und Amazoniten.


Mit dem Entwurf des Tabernakels in Haus Eich, einem von dem damaligen Aachener Bischof Johannes Joseph van der Velden errichteten Konvikt, setzte Fritz Schwerdt erstmals mehrere Ideen um, die ihm wichtig waren und für die Zeit als ungewöhnlich, wenn nicht radikal erscheinen mussten.

Die äußere Form ist als betont flacher, gerade 17cm hoher Schrein entworfen, dessen Breite mit 40cm umso auffälliger ausgelegt ist. Die Gestaltung der Seiten ist frei von jeglicher Symbolik und beschränkt sich auf zehn schmückende Amazoniten und rein als Ornament dienende Kreise. Durch den Besatz der Oberseite mit zapfenartigen Bergkristallen und weiteren Amazoniten ist absichtsvoll ausgeschlossen, dort ein Altarkreuz oder gar eine „Anbetungs“-Monstranz aufzustellen, was die Anmutung des kleinen Schreins stören würde.

Die Tabernakeltüre wird zum Öffnen nach vorne heruntergeklappt und kann – für die Gläubigen gut sichtbar – einen Speisekelch oder eine Hostienschale tragen. Mit dem Verzicht auf eine im Inneren angebrachte Vorrichtung zur Befestigung eines sonst üblichen Velums (Vorhang) wird ein ungehinderter Blick ins Tabernakel-Innere freigegeben, eine Idee, die Schwerdt nach 1952 öfters – nicht selten gegen kirchlichen Widerstand - umsetzte. Das Innere des Tabernakels schließlich ist mit feinen, zurückhaltend ziselierten Mustern versehen, auch eine Neuerung in Schwerdts Werk, die er in späteren Tabernakelentwürfen zur Regel machte.


Versucht und angezielt war nichts als ein schlichter, dienend-würdiger Körper, der aufnehmen, umschließen und geschlossen sein kann. Geschaffen ist ein Bewahrungsort, wirksam allein durch die Güte des Materials und die formgewordene Funktion von Zweck und Gehalt.

(Karlheinz Goerres
Zu den Tabernakeln von Fritz Schwerdt /
Die Behausung Gottes in unserer Zeit
.
Deutsche Goldschmiede-Zeitung Nr. 12/1956)


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