Fritz Schwerdt (1901-1970)

Fritz Schwerdt (1901-1970)

Fritz Schwerdt war einer der großen Kirchengoldschmiede seiner Zeit und gilt als einer der prägenden Wegbereiter moderner Sakralkunst. Von ihm stammen so bekannte Arbeiten wie die „Baummonstranz“ und der „Faltenkelch“.

Fritz Schwerdt: Baummonstranz 1947

Dabei schuf er als gelernter Emailleur und Emailmaler erst mit 28 Jahren seine erste Vasa Sacra. Noch während seiner Gesellenzeit bei dem Aachener Domgoldschmied Witte hatte er beschlossen, sich selbstständig zu machen und neben einer Tätigkeit als „Goldschmied Emailleur“ die Aachener Kunstgewerbeschule zu besuchen – er hatte wohl die Entwicklung der seit 1927 unter der Leitung des legendären Architekten Rudolf Schwarz neu ausgerichteten Aachener Kunstgewerbeschule aufmerksam verfolgt.

Die Arbeiten unserer Edelmetallwerkstätte zielen bewußt auf Vereinfachung der Form, Vermeidung unorganischen Zierates, Betonung der Materialeigenschaften durch materialgerechtes Arbeiten.

Kunst-Dienst-Dresden (Hrsg.):
KUNST-DIENST-AUSSTELLUNG / KULT UND FORM

– mit dieser gleichermaßen knappen wie unmissverständlichen Aussage formulierte Schwerdt im Jahre 1930 erstmals seinen Anspruch an gutes Sakralgerät und folgte diesem Grundsatz – mit durchaus wechselnder Konsequenz – über eine Zeitspanne von 40 Jahren.

Fritz Schwerdt: Fronleichnamskelch, 1929-30

Die Aachener Kunstgewerbeschule war es auch, die ihm den ersten Ruhm einbrachte. Entwarf und fertigte er seinen nur auf die Funktion beschränkten „Kelch mit Bergkristallnodus“ von 1929 noch als gänzlich Unbekannter, so fand er ein Jahr später, regelrecht über Nacht, weite Beachtung: Im Rahmen der Werkgemeinschaft für Aachens modernen Kirchenbau, St. Fronleichnam von Architekt Rudolf Schwarz, hatte er gleich mehrere neuzeitliche Arbeiten geschaffen, wie etwa das kleine, betont schmucklose Altarkruzifix; weitere Aufträge sollten folgen.

Und ab 1930/1931 als Assistent und Mitarbeiter der Kunstgewerbeschul-Dozenten Schickel, Wendling, Schwippert, Rupprecht und Schwarz in den Schulbetrieb mit einbezogen, prägte er fortan das Erscheinungsbild der „Aachener Schule“ mit und war mit seinen Arbeiten oft der „Mittelpunkt vieler Ausstellungen“.

Schwerdt war in seinen späteren Semestern mehr Lehrer als Schüler und bestimmte die Atmosphäre der Schule sehr stark mit.

Rudolf Schwarz: Zeugnis für Fritz Schwerdt, 21.4.1947

Fritz Schwerdt: Farbige Monstranz oder „Kindermonstranz“

Der überwiegende Teil seines Œuvres entstand nach dem 2. Weltkrieg. Vor allem in Zusammenarbeit mit den Kirchenarchitekten Emil Steffann, Rudolf und Maria Schwarz, Hans Schwippert sowie den Glasmalern Anton Wendling und Ludwig Schaffrath stattete er, weit über das Bistum Aachen hinaus, zahlreiche Gotteshäuser mit Sakralgeräten aus. Es entstanden bedeutende Arbeiten, die in der Fachwelt auf ein breites Echo stießen und in renommierten Publikationen gewürdigt wurden.

Fritz Schwerdt: Abtstab 1956

1958 unternahm Schwerdt einen ungewöhnlichen Schritt und gründete zusammen mit seinem Mitarbeiter Hubertus Förster (*1929) die Ateliergemeinschaft „Fritz Schwerdt & Hubertus Förster / Atelier für Goldschmiedekunst“. Beide Eigner traten fortan als künstlerische Gemeinschaft auf. Sie setzten mit ihren Arbeiten neue Akzente, ohne die von Fritz Schwerdt begründete stilistische Tradition aufzugeben.

Eine ausführliche Biografie befindet sich in dem 200-seitigen Band
Raphael Schwerdt:
FRITZ SCHWERDT – Moderne Sakralkunst aus vier Jahrzehnten.
ISBN 978-3-00-056210-5. Tübingen 2017. Broschur. Euro 32,-.

Hier finden Sie eine bebilderte Biografie zum Download.

Fotos: Ann Münchow, Pit Siebigs(2), Schmitter