St. Fronleichnam Aachen

Fronleichnamskirche Aachen

Die 1930 von dem renommierten Kirchenbauer Rudolf Schwarz erbaute St. Fronleichnams-Kirche in Aachen ist einer „der unumstrittenen Meilensteine modernen Kirchenbaus”. Hier hatte Schwarz – zusammen mit Schülern und Lehrern der Kunstgewerbeschule Aachen – seine Vorstellungen eines modernen Gotteshauses umsetzen können.

Fritz Schwerdt entwarf und fertigte zahlreiche Sakral- und Gebrauchsgeräte, wie etwa Altarkruzifix, Altarleuchter, Kelche, Ciborien, Ewiglichtständer u.a.m., und trat damit erstmals als Kirchengoldschmied in Erscheinung.


Kruzifix. St. Fronleichnam, Aachen

Kruzifix, 1930
Der Entwurf des Kruzifixes für St. Fronleichnam weicht vom damals herrschenden Geschmack radikal ab. Drei mit absichtsvoll sichtbaren Schrauben verbundene Kupferbalken bilden ein Kreuz, das lediglich vorne und hinten einfarbig blau emailliert ist. Die schmalen Seitenkanten zeigen sich als nicht gleichmäßig geschnitten, was die Schlichtheit des Kruzifixes weiter unterstreicht. Der Fuß ist eine schmucklose viereckige Platte. Allein der Christuskorpus aus Elfenbein zieht alle Blicke auf sich.


Fronleichnamskelch

Kelch (mit dem Bergkristallnodus), 1929/30; auch: Fronleichnamskelch
Der Kelch wirkt geradezu asketisch und besticht durch seine auf das Wesentliche beschränkte Funktionalität: runder, flacher Fuß mit einem schlichten, plastischen Kreuz, einfacher Rohrschaft, schmuckloser, zylinderförmiger Nodus sowie eine aufgesetzte Kuppa in Form einer perfekten Halbkugel. Dieser rein der Funktion dienende Aufbau wird nur durch das deutlich schmalere, kurze Schaftrohr unterhalb der Kuppa unterbrochen, was nach Schwerdts Verständnis einen kleinen schmückenden Akzent setzen soll.

1937 wurde u.a. diese Arbeit auf der Pariser Weltausstellung mit dem Prix d’Honneur ausgezeichnet, der zweithöchsten Auszeichnung, die dem Grand Prix direkt folgte.


Kelch mit dem Emailnodus

Kelch mit dem Emailnodus, 1932
Beim Entwurf des Kelchs mit dem Email-Nodus stand der nur sechs Jahre ältere Fronleichnamskelch Pate. Unverändert geblieben ist der strenge Aufbau: ein flacher, breiter Standfuß, ein rein funktionales, gerades Schaftrohr mit einem Nodus sowie eine streng geometrisch gehaltene, schmucklose Kuppa.

Hier ist die Kuppa nur geringfügig kleiner als eine Halbkugel, und der Kelchschaft besteht wieder aus einem geraden Rohr. Die runde Fußplatte ist aus fünf flachen Scheiben gebildet, von denen zwei mit einem geringerem Durchmesser zwischen die drei breiteren eingefügt sind und so dem stabilen Standfuß eine weniger funktionale Anmutung verleihen. Schließlich der Nodus, den Schwerdt hier mit vier kunstvollen Emails aufwändiger und schmückender ausstattet als beim älteren Vorbild mit dem schlichten, zylindrischen Bergkristallnodus.


Ewiglichtständer

Ewiglicht, 1930
Auch mit dem Ewiglichtständer in St. Fronleichnam entwarf Schwerdt eine Arbeit, die sich in meisterlicher Weise auf die Funktion beschränkt, aber nicht gänzlich schmucklos ist. Der Ständer ist auf das konstruktiv Notwendige reduziert: einfacher, dreibeiniger Fuß, hoch aufragender Schaft aus einem einzigen Rundrohr, drei ansonsten schmucklose Tragestreben für die Schale mit dem Ewiglicht, die flüssiges Öl für einen schwimmenden Docht aufnimmt. Durch die Gestaltung der Haltestreben jedoch beschränkt Schwerdt diese Streben nicht allein auf ihre Funktion, vielmehr brechen sie als schmale, bandartige Viertel-Bögen die mechanisch wirkende Strenge der Unterkonstruktion auf.


Kugelciborium

Kugelciborium, 1930
In Schwerdts Werkkatalog befinden sich nur wenige Ciborien; das Kugelciborium ist vermutlich sein erster Ciboriums-Entwurf überhaupt. Er zeichnet sich durch seine simple, streng geometrische Form aus: flacher Standfuß, gerader Schaft aus einem Rohr und eine Kuppa-Deckel-Kombination in Form einer exakten Kugel. Der streng zylinderförmige Nodus sowie der als Kreuz ausgebildete Deckelgriff sind absichtsvoll die einzigen schmückenden Elemente.


 

Therese von Lisieux

Bildrahmen
Der bis 1949 zuständige Pfarrer, Dr. Joseph Ludwig, war ein großer Verehrer der Hlg. Therese von Lisieux (die zweite Patronin der Kirche) und gab wohl den Anstoß für das Gemälde von Hans Schwippert.

Den kostbaren Rahmen mit Email und Bergkristallen entwarf und fertigte Fritz Schwerdt um 1935. Historische Fotos zeigen, dass zu dem Bild noch eine Kerzenhalterung in Form eines Halbrunds gehörte, die unterhalb des Rahmens angebracht war und etwa 40cm weit in den Raum reichte.


Tabernakel, Kruzifix, Altarleuchter

Altarleuchter, 1930; Tabernakel, 1958
Der Altarbereich mit den sechs Schwerdt’schen Altarleuchtern, dem originalen Kruzifix (beide 1930) sowie dem Tabernakel aus dem Jahre 1958. Im Jahre 2015 wurde das Tabernakel um 180° gedreht: seitdem zeigt sich den Kirchenbesuchern die (ebenfalls mit einer Türe versehene) ehemalige Rückseite.


Mehr zu St. Fronleichnam: Links und Literatur

Fotos: Elisabeth Peters, Pit Siebigs(2), Raphael Schwerdt(4)