St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin

St. Hedwigs-Kathedrale, Berlin

Die im Jahre 1773 vollendete und im zweiten Weltkrieg stark zerstörte Kathedrale wurde zwischen 1952 und 1963 wieder aufgebaut. Der renommierte Architekt Hans Schwippert, mit dem Schwerdt seit 1930 eng zusammen arbeitete, wurde mit der Innenraumgestaltung beauftragt. Das Atelier Schwerdt&Förster erhielt den Auftrag für das Tabernakel und das Altarkreuz.
Seit 2018 wird die Kathedrale im Innern umgestaltet und ist bis auf weiteres geschlossen.


Tabernakelinneres, St. Hedwigs-Kathedrale

Tabernakel, 1963; Innenansicht
Das Tabernakel (Kupfer vergoldet/getrieben/ziseliert, Email, Bergkristalle) fällt durch seine besonders kostbare Innengestaltung auf, die nur in Ausnahmefällen sichtbar ist: neben dem aufwändig ziselierten Innenraum sind die beiden Tabernakeltüren innen mit je 15, sechseckigen Email-Rosetten in Blau-, Türkis- und Grautönen geschmückt.

„Die Kostbarkeit gilt der darin bewahrten Eucharistie und nicht dem Beschauer. Deswegen ist das Behältnis im Innern noch reicher ausgestattet.”

Heinz Endres: DIE ST. HEDWIGS-KATHEDRALE IN BERLIN, Berlin 1963.


Tabernakeldetail, St. Hedwigs-Kathedrale

Tabernakel, 1963; Detail rechte Innentüre
Deutlich zu erkennen sind die kostbar gestalteten, sechseckigen Email-Rosetten, eingerahmt von in die Grundplatte getriebenen/ziselierten Mustern; auch hier ist das Seckseck das grundlegende Gestaltungselement. Die Rosetten wurden von Fritz Schwerdt einzeln und ganz unterschiedlich entworfen und von ihm zum Teil eigenhändig emailliert.


Tabernakel in der St. Hedwigs-Kathedrale

Tabernakel, 1963; Außenansicht
Das Tabernakel (Maße: ca. 45 x 45 x 45 cm) in seiner äußeren Gestaltung, wie sie sich dem Kirchenbesucher präsentiert: Auf den vollständig mit ziselierten/getriebenen Sechsecken gestalteten Seiten sind nur wenige kleine Perlmutt-Dreiecke sowie auf der Oberseite 25 Bergkristalle als einziger „Schmuck” angebracht.

 


Altarkreuz, St. Hedwigs-Kathedrale

Altarkreuz Hauptaltar, 1963
Das in griechischer Form gestaltete Altarkreuz (Elfenbeinkorpus von Kurt Schwippert) weist eine Besonderheit auf, wie sie sich bei Kreuzentwürfen von Fritz Schwerdt seit den 1950er Jahren mehrfach nachweisen lässt: das Kreuz hat einen Holzkern. Dieser wird durch die Aufplatzungen an allen Kreuzseiten sichtbar. Zu der Idee bekannte Fritz Schwerdt 1961 in Heft 4 der Deutschen Goldschmiedezeitung gegenüber dem Kunstinterpreten Karlheinz Goerres: „Entscheidend ist doch wohl, daß unter den Steinen und Edelmetallen, unter den Emailles und Kupferplatten stets ein wahres Kreuz aus Holz verborgen liegt.”

Altarkreuz-Detail, St. Hedwigs-Kathedrale

Die von Kurt Schwippert, einem Bruder des Architekten Hans Schwippert, gestaltete Christusfigur weist zwei erwähnenswerte Besonderheiten auf. Zunächst fällt die nach vorne fallende Haltung auf, deutlich zu erkennen im Hüftbereich, wodurch dieser Christus eher als Triumphator und weniger als Leidender erscheint. Auch trägt er keinen Lendenschurz: „[Der elfenbeinerne Kruzifixus] zeigt den mit dem Kolobium, d.h. einem lang herabfallenden Gewand bekleideten Christus, einen aus dem frühchristlichen Palästina stammenden Typus, der auch im mittelalterlichen Abendland wohl bekannt war.” (Christine Goetz, Victor H. Elbern: Die St.-Hedwigs-Kathedrale zu Berlin, München 2000)


St. Hedwigs-Kathedrale, Altaranlage

Altaranlage
Das Foto – aufgenommen vor dem Treppenabgang zur Unterkirche – verdeutlicht ein wenig die Anlage des Kirchenraums bis 2018: in der Mitte/unten das vergoldete Tabernakel; über der großen, thronenden Petrus-Figur erkennt man in der Bildmitte den Altartisch mit dem kleinen Altarkreuz. Der Priester steht auf der anderen Seite und schaut zur Gemeinde, die links und rechts – außerhalb des Bildes – ihren Platz hat.

 

 

 


Mehr zur St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin: Links und Literatur

Fotos: Arnold Paul/Wikimedia Commons, Alistair Young/Wikimedia Commons, Walter Wetzler(5)