St. Laurentius München

St. Laurentius, München

Im Jahre 1955 baute der Architekt Emil Steffann ein vielbeachtetes Gotteshaus: St. Laurentius, München. Es gehört unumstritten zu den großen Kirchenbauten in Deutschland.

Steffann nahm Gedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweg: der Altar ist freistehend; das Tabernakel in einer kleinen Sakramentskapelle im Seitenschiff. Fritz Schwerdt schuf für diese Kirche zwischen 1955 und 1958 zahlreiche Geräte; weitere Arbeiten von ihm kamen in den 1960er-Jahren hinzu.


Tabernakel

Sakramentshäuschen, 1956
Bei dem Tabernakel in der Oratorianer-Kirche, St. Laurentius, München, lehnte sich Schwerdt in Idee und Form eng an sein Schrein-Tabernakel für das Aachener Konvikt, Haus Eich, an und schuf ein in seinem Œuvre unverwechselbares Tabernakel: Der als flacher, nur 24cm hoher Quader entworfene Hostienschrein steht auf vier zylinderförmigen Bergkristallfüßen und ist ringsum mit vergoldeten Kupferblechen verkleidet, aus denen auf der Vorderseite 47 kugelförmige Edelsteine, sog. Cabochons, und aus den beiden Seitenwänden je 9 solcher Steine „herausquellen“.

TabernakelDie Cabochons sind in Farbe, Musterung und Glanz völlig unterschiedlich und wirken wie zufällig ausgewählt: neben grünlich hervorstechenden Amazoniten erkennt man schwarz-weiß bis braun-weiß gestreifte Achate, weißlich-helle Milchtopase sowie violette Amethystquarzsteine.

„Das vielfältige Wunder des Lichts wird an den edelsteingeschmückten Schauseiten kund, aus deren Metall-Leib ringförmige Fassungen für Lapislazuli, Amethyste, milchige Topassteine, Amazonithe und gestreifte Achate getrieben sind.”

Erich Stephany: Kirchengerät. Jahrbuch für christliche Kunst 1957/58.

Links im Bild, ebenfalls aus der Werkstätte Schwerdt, ein gegossener Altarleuchter, der rein auf seine Funktion reduziert ist: Fuß, Wachsfänger, Kerzendorn.


Vortragekreuz
Email-Vortragekreuz, 1956
Mit diesem in auffallend blauem Email gestalteten Vortragekreuz verließ Schwerdt seinen bevorzugten Stil, in mehreren, aufeinander abgestimmten Farben zu emaillieren; mit seinem kräftigen Blau ist das Kreuz in Schwerdts Werkkatalog ein Unikat. Die Rückseite ist bis auf den Korpus (Elfenbeinkorpus von Edith Steinberg-Mannefeld, Münster) gleich gestaltet.
In der Zeit vor Ostern bzw. im Advent wird es durch ein im Vergleich schlichteres Bronze-Kreuz aus der Hand von Roland Friedrichsen ausgetauscht.

„Mit seiner kräftigen Farbe bringt das Kreuz einen festlichen Akzent in den Kirchenraum..”

Freimut Scholz: St. Laurentius in München.


Strahlenmonstranz

Strahlenmonstranz, 1955/57
Die für St. Laurentius geschaffene Monstranz – Silber vergoldet, perlmuttfarbiges Email, Milchtopase, Edelsteine – ist eine von mehreren, identisch entworfenen Strahlenmonstranzen, die Fritz Schwerdt als „preiswerte“ Alternative anbot, wenn die Gemeinde keine eigens für sie geschaffene wünschte.

„Nicht verwunderlich also, daß die für München geschaffene Monstranz fern jeder gebräuchlichen Allegorie steht, fern auch einer Art von Symbolik, die allzu sehr ins Beiwerk geht, damit Zweck und Funktion des Geräts verfehlend, das ja das Allerheiligste zentral tragen (…) soll.”

Karlheinz Goerres: Kunst aus dem Geist der Oratorianer.Neue Goldschmiedearbeiten von Fritz Schwerdt. Deutsche Goldschmiede-Zeitung Nr. 8/1958.


2 Rom-KelcheRom-Kelche, 1948/1955(li), 1948/1959(re)
Der damalige Pfarrer von St. Laurentius, der spätere Weihbischof Ernst Tewes, bestellte den linken Kelch aufgrund einer Veröffentlichung über Schwerdt’sche Kelche in der Zeitschrift DAS MÜNSTER von 1954.

Der zweite Kelch, eine Variation des ersteren, war ursprünglich mit einem in Blautönen emaillierten Nodus angeboten worden, jedoch sah Schwerdt die Gelegenheit, durch die fehlende Emaillierung einen eigenständigen Kelchentwurf zu schaffen.


St. Laurentius, München. Altarbereich

Blick auf den Hauptaltar
Die Aufnahme gibt ein wenig von der Anmutung des Kirchenraumes wieder: helle, hohe Wände, Sitzbänke für die Gläubigen auf drei Seiten sowie ein freistehender Hauptaltar. Man beachte auch, dass es hier kein Tabernakel gibt; es steht in einer Seitennische.

„Der Bau ist (…) innen von heimeliger Wirkung und franziskanischer Schlichtheit. Seine Niedrigkeit, ästhetische Schlichtheit, seine Absage an künstlerische Ausstattung, seine Zentrierung auf den Altar, wirkte schulbildend (…).”

Hans Ramisch u. Peter B. Steiner (Hrsg.): Katholische Kirchen in München. München 1984.


Mehr zu St. Laurentius München: Links und Literatur

Fotos: PHOTO-ANKER, Raphael Schwerdt(5), Wikipedia Commons