Mehr zum Kelch mit dem Emailnodus

Der bekannte Kunsthistoriker August Hoff sah diesen Kelch – in der Tradition der Aachener Kunstgewerbeschule – als Beispiel eines eigenes Kelchtyps:

„Aus dem schlichten ehrlichen Dienst für den heiligen Gebrauch ist die Kelchform entwickelt, die man die Aachener Form nennen könnte und die Fritz Schwerdt auch in seinem 1935 entstandenen Kelch verwendet. Nur der Nodus ist mit streng gezeichneten Symbolen in durchsichtigem Zellenschmelz geschmückt.”

August Hoff: Einführende Worte zur Kunst im norddeutschen Kulturkreis.
In: Jahrbuch für christliche Kunst 1946/1947.
Verlag der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst, München 1946.

Kelch mit dem Emailnodus, St. Fronleichnam, Aachen

Der Kelch entstand 1935, wurde 1940 von der Pfarrgemeinde St. Fronleichnam angekauft und „unserem ersten Herrn Pastor [Dr. Joseph Ludwig] zum silbernen Priesterjubiläum”, geschenkt.

Nach dem Artikel „Dreimal denselben Kelch gekauft“ der Aachener Volkszeitung aus dem Jahre 1959 hat der Kelch mit dem Email-Nodus noch eine besondere Geschichte: Er wurde von der Gestapo Ende der 1930er-Jahre beschlagnahmt; die Begründung ist nicht überliefert. Es gelang der Gemeinde, eine – nicht risikolose – Geld-Sammlung durchzuführen und den Kelch von der Gestapo zurückzukaufen (sic!). Als der Kelch nach dem Tod des Pfarrers an dessen Erben ging, organisierte die Gemeinde erneut eine Sammlung und konnte den Kelch endgültig für die Pfarre erwerben.

Das Foto zeigt eines der vier Email-Bilder auf dem Nodus, hier: Mariä Verkündigung. Die anderen sind: Lamm Gottes, Geburt Christi und Eucharistische Taube.

Foto: Pit Siebigs