Große Einzelausstellung zum Werk
von Fritz Schwerdt

Plakat zur Ausstellung Fritz Schwerdt / Wegbereiter moderner Sakralkunst

Vom 13. 6. bis 5. 9. 2010 präsentierte die Domschatzkammer Aachen unter dem Titel
Fritz Schwerdt / Wegbereiter moderner Sakralkunst
die bislang größte Werkschau Schwerdt’scher Arbeiten mit über 35 Exponaten aus vier Jahrzehnten. Der Großteil der gezeigten Kelche, Monstranzen, Tabernakel, Bischofsstäbe und Altarleuchtern wurde von Pfarrgemeinden entliehen. Ausgesprochen wenige der Exponate gehören Priestern oder kamen aus Sammlerhand.

 


Großvitrine Domschatzkammer Aachen

Für die Ausstellung wurden eigens der Eingangsbereich sowie der gesamte untere Gewölberaum der Domschatzkammer reserviert. Das Foto zeigt einen kleinen Ausschnitt der Großvitrine im Gewölbe: deutlich erkennt man im Vordergrund zwei Kelche aus den 1960er Jahren, rechts in liegender Position zwei Bischofsstäbe sowie im Hintergrund neben einer rot emallierten Monstranz zwei Tabernakel (jeweils Rückseite) aus den 1950er Jahren.


Die im Eingangsbereich sowie im Gewölberaum der Domschatzkammer präsentierte Schau umfasste Schwerdt’sche Arbeiten aus vier Jahrzehnten, darunter einige erstmals gezeigte Exponate.

Becherkelch emailliert, mit Patene emailliert 1966

Mit dem Becherkelch von 1966 konnte ein Exponat von Privathand entliehen werden, das Fritz Schwerdt nicht nur entworfen, sondern nachweislich auch persönlich emailliert hatte. Im Vordergrund die im selben Stil emaillierte Patene.

 

 

Kruzifix, 1930

Mit insgesamt fünf Arbeiten aus der Aachener St. Fronleichnamskirche konnten Exponate gezeigt werden, die zu den unwidersprochen wichtigsten aus Schwerdts frühem Werk gehören: zwei Kelche, ein Ciborium, ein Ewiglichtleuchter sowie das hier als Vitrinenschnappschuss gezeigte kleine Kruzifix von 1930, das damit erstmals im Original ausgestellt wurde.

Erstmals konnten anhand der Präsentation verschiedener Versionen einer Kelchform Entwicklungen von Schwerdt’schen Entwürfen deutlich gemacht werden.

3 Romkelche
Im Foto links drei „Rom-Kelche”. Der mittlere ist die älteste Fassung. Sie weist keinerlei Symbolik oder Verzierungen auf. Beim linken Kelch ist am Fuß ein emailliertes Fischsymbol hinzugefügt; er stammt aus dem Jahre 1948. Die dritte Fassung, mit einem schmuckhaft emaillierten Nodus entstand in den 1960er Jahren; sie existiert auch in einer Version, bei der die Ätzgruben für die Emaillierung nicht mit Email ausgefüllt sind.

 

Farbige oder Kindermonstranz, 1955

Die Farbige oder Kindermonstranz, als Fortentwicklung des Lebensbaummotivs der Baummonstranz, konnte nur als historische Fotografie ausgestellt werden, da sie bekanntlich seit den 80er Jahren verschollen ist. Sie wurde dennoch (oder gerade deswegen) von vielen Besuchern mit besonderem Interesse wahrgenommen und regte bei zahlreichen Führungen zu Fragen nach ihrem möglichen „Schicksal” an.

 

 


 

Dr. Herta Lepie, Aachen

Den Einführungsvortrag hielt Frau Dr. Herta Lepie, die ehemalige Direktorin der Abteilung Goldschmiedekunst am Aachener Dom. Leitlinie ihres Vortrags war, „einen Goldschmied in einer Einzelausstellung zu ehren, der mit seinem Werk die Goldschmiedekunst des 20. Jahrhunderts wegweisend und wesentlich geprägt hat”. Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen standen – neben zahlreichen biografischen Notizen – Schwerdts wichtige Sakralarbeiten über einen Zeitraum von 40 Schaffensjahren.
Hinweis: Der Vortrag befindet sich ungekürzt in dem Buch
FRITZ SCHWERDT – Moderne Sakralkunst aus vier Jahrzehnten.


Raphael Schwerdt

Der Gastkurator für die Ausstellung, Fritz Schwerdts Sohn Raphael, hielt eine kurze persönliche Ansprache. Ausgehend von der durchaus provokant gedachten Frage, ob Fritz Schwerdt sich selber als Künstler gesehen habe, beschränkte sich der Redner auf einige historische Erinnerungen an den Vater und erinnerte daran, dass Fritz Schwerdt von Beruf Emailleur und Emailmaler und kein Goldschmiedemeister war.

Raphael Schwerdts Ansprache als Manuskript (PDF-Format).


Fotos: Herta Lepie, Pit Siebigs, Raphael Schwerdt(6)