Bischofsstäbe und andere Arbeiten

Die Auswahl in diesem Abschnitt, „Bischofsstäbe und andere Arbeiten”, wird in unregelmäßigen Abständen ergänzt und verändert, um so auch aktuelle Rechercheergebnisse präsentieren zu können.

Abtstab Abtei Kornelimünster

Abtstab Abtei Kornelimünster
Entstanden 1956; Silber vergoldet mit transparentem Silberemail, Amethyst.

Mit diesem Abtstab fügte Schwerdt seinem Werkkatalog erstmals eine Bischofsinsignie hinzu, die in ihrer Silhouette das Hirtenstab-Artige betont. Die Krümme ist in ihrem oberen Teil kurz und schmal gehalten und eng gewunden, eine Linienführung, die Schwerdt auch später präferierte. Anders als bei Entwürfen der späten 1960er Jahre weist der Stab auffallend viele schmückende Elemente auf, von denen die mäandernde, vergoldete Schlangenlinie besonders deutlich ins Auge fällt, die dazu von transluzidem Email und kleinen dunkelblauen Email-Feldern flankiert wird und in zwei dunkelrot funkelnden Amethysten endet. Der Tragestab ist aus schwarzem Ebenholz gefertigt.


Hostiendose
Hostiendose
Entstanden 1954; Silber vergoldet, Deckel mit Zellenemail. Verbleib unbekannt.

Das eigentliche, als Schale ausgebildete Hostien-Behältnis ist aus Silber geformt, vergoldet und erfüllt nur seine Funktion zur Aufnahme von Hostien.

Ganz anders der Deckel der Schale. Dessen Gestaltung wird von zwei Elementen beherrscht. Dem Betrachter mögen zunächst die vier goldfarbenen, geflügelten Evangelistensymbole auffallen: auf dem Foto vorne links zu erkennen der Adler (Johannes), rechts der Stier (Lukas), hinten links der Löwe (Markus) sowie hinten rechts der Mensch (Matthäus). Weiters fällt auf, dass sich die Symbole auf einem schneeweißen „Meer“ befinden, ein Weiß, das auch die Symbole in ihren Konturen zu durchströmen scheint. Dieses auffallend glänzende Weiß besteht aus transluzidem Email, sprich: durchsichtigem Email, das das reine Silber des Deckels durchscheinen lässt und den Eindruck glänzenden Perlmutts erweckt. Die Kombination der goldenen Symbole mit dem umgebenden Silberemail verleihen Deckel und Dose eine einzigartige Wirkung.


BischofsstabBischofsstab und Pektorale, Dom zu Aachen
Entstanden 1961; Silber geätzt, vergoldet, Amethyste und Bergkristall.
Ausführung Schwerdt&Förster.

Der Entwurf für den Bischofsstab des ehemaligen Aachener Weihbischofs Joseph Ludwig Buchkremer lehnt sich eng an Schwerdts Abtstab für die Abtei Kornelimünster aus dem Jahre 1956. Die Silhouette beider ist identisch, ebenso der rechteckige Querschnitt der Krümme (ohne Haltegriff) sowie die beiden Amethyste am oberen Ende.

PektoraleBei der Oberflächengestaltung wählte Schwerdt die Ätztechnik: die Krümme ist mit einem zentrisch ausgerichteten Rechteckmuster überzogen, während der Haltegriff ein die Senkrechte betonende Ätzung aufweist. Auffallend der große, sechseckig geschliffene Bergkristall oberhalb des Griffes. Stifter des Stabes war die Pfarrgemeinde St. Adalbert in Aachen .

Das zugehörige Pektorale oder Brustkreuz erinnert in eindrücklicher Weise daran, dass Buchkremer von März 1942 bis April 1945 im KZ Dachau festgehalten wurde. Seine „priesterlichen Mitbrüder (…) die mit ihm die Zeit des ‚Kreuzes von Dachau‘ teilten“ (Kirchenzeitung Bistum Aachen 1961, Heft 53), machten ihm das Brustkreuz zum Geschenk. Es ist aus einem schmucklosen, grobgliedrigen Silberband geformt und wird von zahlreichen, auffallend profanen Schraubköpfen zusammengehalten. Schwerdt wollte so Assoziationen an Stacheldraht, Eisentüren und Gefangensein wecken, und fügte der Arbeit nur noch einen Bergkristall als Sinnbild Christi sowie vier Amethyste in Anlehnung an die Wundmale Christi hinzu.


Marienschrein-Schloss

Schloss Marienschrein, Domschatzkammer, Aachen
Entstanden 1957/58; Eisenschloss, Turmalin, Silber, Gold.

Im Jahre 1957/58 entwarf Schwerdt das Schloss für den Aachener Marienschrein zur Aachener Heiligtumsfahrt. Als Grundlage nahm er ein handelsübliches, eisernes Schloss. Auf das unverändert belassene, eisenschwarze Schloss setzte er einen vergoldeten, von Hand geformten Zweig mit plastisch modellierten Blättern. Die Spitze des Zweigs bildet eine Blüte, geschmückt von einem großen Turmalin.


Altar-/Hausleuchter

Altar- oder Hausleuchter
Entstanden 1930; Fuß und Stift messingvernickelt, Glasplatte geschliffen.

Fritz Schwerdt entwarf diese Leuchter während seiner Zeit auf der Aachener Kunstgewerbeschule und schuf damit ein Objekt, das minimalistischer nicht sein kann: der dreibeinige Fuß aus Stabeisen mit quadratischem Querschnitt erfüllt allein seine Funktion; ebenso die kreisrunde Scheibe aus Klarglas als Wachsfänger; der Kerzendorn schließlich in nicht weniger, rein funktionaler Form. Eine Arbeit, die in der Tradition des Bauhauses steht.


Bischofsstäbe und andere Arbeiten, Teil II

Fotos: Ann Münchow(2), Pit Siebigs(3), Raphael Schwerdt